Feuerlocke76

Der Fensterplatz oder wie das Leben so spielt....

Artikel von Feuerlocke76 veröffentlicht am 08.04.2010 20:36 Uhr

„Jetzt kommt eine hübsche Frau vorbei, eine junge Frau, sieht verteufelt gut aus, wäre was für uns beide, wenn wir nicht hier rumliegen müssten“.

„Was hat sie denn an?“

„Einen kurzen, schwarzen Rock und eine weiße, dünne Bluse, ich kann ihre Brustwarzen durchschimmern sehen. Und sexy hochhackige Schuhe trägt sie dazu.

„Wie sehen ihre Beine aus?“

„Verteufelt lange Beine“

„Und ihre Haare?“

"Blonde Haare, lang, bis zu ihrem kleinen runden Arsch“

„Ist sie allein unterwegs?“

„Nein, ein Kerl geht neben ihr, aber scheint nicht ihr Freund zu sein.“

„Sag mal, Krawalski, können wir verdammt nochmal nicht endlich die Plätze tauschen? Wir wechseln dann auch täglich ab, okay? Will verflucht nochmal auch mal aus dem Fenster schauen können!!“

„Kannste vergessen Du alter Bappsack, kommt nicht in Frage! Ich liege schon acht Wochen länger hier als Du! Diesen Platz behalte ich, bis ich ins Gras beiße, haste kapiert? Außerdem erzähle ich Dir doch immer genau, was da draußen abgeht und rumläuft.“

Dieser Krawalski! Beide liegen wir seit ewig langen Wochen hier in diesem beschissenen Zimmer und können nicht aufstehen, nicht einmal aufs verdammte Klo gehen, wir müssen in Pfannen kacken!

Besuch bekommen wir auch nie. Die lieben Familien sind froh, daß sie uns alte Säcke los sind. Ich kann nur die weiße Decke anglotzen und das Kreuz an der Wand gegenüber.
Aber Krawalski liegt in dem verfluchten Bett am Fenster und kann nach draußen sehen, kann das Leben sehen, während ich hier vor mich hinvegetiere.

Manchmal pennt dieser unerträgliche alte Sack auch den halben Tag und in dieser Zeit erzählt er dann natürlich auch nicht, was draußen vor sich geht.
Er will nicht einmal für ein paar Stunden seinen Platz mit mir wechseln!
Sogar Geld habe ich ihm schon für den Fensterplatz angeboten, aber der Bappsack lässt sich auf nichts ein! Inzwischen wünsche ich mir, er würde endlich verrecken, dann könnte ich den Platz wechseln. Dieser Mistkerl!

Es ist Abend in unserem Gefängnis geworden, jetzt passiert nichts mehr da draußen.
Die Nachtschwester war gerade nochmal da und hat uns die Tabletten gegeben, damit wir besser schlafen können.
Krawalski erhält immer noch eine andere, er röchelt immer öfter so merkwürdig. Geschieht ihm recht, dem elenden Schweinehund!

Auf einmal, mitten in dieser Nacht, wache ich auf, Krawalski schnauft und röchelt ganz fürchterlich. Ich knipse das Licht neben dem Bett an.
Sein Gesicht ist rot, er fuchtelt wild und panisch mit seinen Händen herum und er greift sich mit verkrampften Fingern an den Hals. Zeitgleich wird sein Gesicht blau. Eigentlich, denke ich, sollte ich auf den Notknopf drücken und die Schwester rufen.

Das ist aber vielleicht meine einzige Chance, den verdammten Fensterplatz endlich zu ergattern!

Ich mache das Licht wieder aus und drehe mich herum, Krawalskis rasselnder Atem wird immer schwächer und auf einmal höre ich gar nichts mehr und schlafe wieder ein.
Als ich am frühen Morgen aufwache, schieben zwei Schwestern gerade Krawalski aus dem Zimmer, der braucht jetzt nun keinen Fensterplatz mehr.

Die eine Schwester fragt mich, ob ich denn nachts nichts gehört oder bemerkt hätte. Ganz tief und fest geschlafen hätte ich dank der Tablette von der Nachtschwester, sage ich zu ihr.

Herr Krawalski ist leider plötzlich verstorben, sagt sie.
Ja, den Fensterplatz könnte ich gerne haben.

Endlich!! denke ich, endlich kann ich etwas anderes als die Decke und das gottverfluchte Kreuz sehen!
Nach dem Frühstück kommen die Schwestern. Sie schieben mein Bett an den geräumten Platz am Fenster.

Ein so schöner Tag heute, die Sonne scheint zum Zimmer herein, auf der Straße wird bestimmt viel los sein, denke ich voller Vorfreude.

Sobald die beiden weg sind, mache ich es mir im Bett gemütlich, hebe meinen Kopf, schaue aus dem Fenster und sehe..... auf eine Mauer.

 

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Artikel von Feuerlocke76 am 08.04.2010 20:36 Uhr
111 Leser, 27 Kommentare
Themen: Artikel, Satire, wie das Leben so spielt

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Diskussion

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    kein Fotopostmortem67, vor 8 Jahren

    Re: Der Fensterplatz oder wie das Leben so spielt....

    Lache,fast genau wie auf "Malle" 95`in dem SUPER GÜNSTIGEN HOTEL Hostal.

    Mauerblick konnte uns für den Preis nicht schocken:-)

    ....man hatte sich anderweitig,äähh,passte schon.

    Weniger ist manchmal doch mehr...
     
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