Feuerlocke76

Himmel und Hölle

Artikel von Feuerlocke76 veröffentlicht am 15.12.2009 13:14 Uhr

Der Honolulu Zoo am Ende von Waikiki, ist ein hübscher kleiner Tiergarten, wo ich mich in den Jahren meines dortigen Aufenthaltes gerne vom Tourismus erholte.
Selbst die lauten Verkehrsgeräusche von der nahe gelegenen Kapahulu Avenue hörten sich nur noch wie Bienensummen aus einer fernen Welt an.
Im Schatten einer Palme sitzend beobachtete ich, wie eine Giraffe liebevoll mit einer kleineren umging.
Als die jüngere von den beiden nicht an die hohen Zweige des Baumes gelang, sah es so aus, als würde das erwachsene Tier ihr zeigen, wie man den langen Hals noch etwas länger strecken konnte, um so an das begehrte Grünfutter zu gelangen.
Ich vermutete es war Mutter und Kind!

Diese friedvolle Szene wurde durch das furchtbare Schreien eines kleinen Jungen unterbrochen.
Das verängstigte Kind, welches vielleicht 18 Monate alt war, hatte wohl zum ersten Mal in seinem jungen Leben so ein großes Tier gesehen.
Der Vater, der bisher genüßlich an seinem Eis geschleckt hatte, brüllte nun seinerseits so unverhofft auf das Kind ein, daß mir der Schreck in die Glieder fuhr.
Als sein lautes "halt Deinen Mund und sei endlich ruhig" nichts half, gab er dem Jungen eine schallende Ohrfeige.
Laut schimpfend verließ er den Platz.

Wenig später kam ein Paar, welches ihr Kleinkind im Kinderwagen hinter sich herzog. Sie hatten die ganze Zeit dem Kind ihre Rücken zugewandt.
Als sie in meiner Nähe stehen blieben um den anmutigen Giraffen zuzuschauen, hoffte ich, sie würden den Wagen nun herumdrehen, damit das kleine Mädchen auch etwas sehen konnte.
Leider hoffte ich vergebens! Das Kind wurde nicht in die Gemeinschaft miteinbezogen. Seine Augen starrten stumpf auf eine gegenüberliegende Wand
.
Sie nennen Hawaii Paradies dachte ich. Aber ist es wirklich für alle ein Paradies?
Der Duft der Blumen, der laue Wind und das Rauschen der Wellen ist manchmal nicht genug um ein Paradies Paradies nennen zu können.

Als ich erneut Schritte hörte, sah ich, daß ein Mann und eine Frau ihr Baby in der Mitte hatten und man sah die Freude über die ersten Gehversuche in den Gesichtern geschrieben.
Kurz vor den Giraffen erstarb das Lächeln des kleinen Jungen. Seine Augen blickten jetzt ängstlich und hilflos drein.
Der Vater bemerkte dieses sofort. Er beugte sich zu seinem Sohn und nahm ihn liebevoll auf den Arm.
Die Mutter zeigte auf die Giraffen und ich vernahm wie beide abwechselnd in einer beruhigen Stimme sprachen.
Der Wind trug ein paar Wortfetzen zu mir herüber.
Es wurde von Afrika, wo die Tiere zu Hause sind gesprochen, und von einem Fell, welches aussieht, als hätte Gott Sterne darauf gemalt. Ich vernahm, daß die Natur den Tieren lange Beine und Hälse gegeben hatte, so daß die Giraffen die zarten Blätter in den Baumwipfeln knabbern können, da das niedrige Gras schon an andere Tiere vergeben war.
Es wurde von hübschen, großen Augen erzählt, die immer ein bißchen traurig aussehen, vielleicht aus Sehnsucht nach der weiten Steppe...........

Neugier, Staunen und Anteilnahme spiegelten sich abwechselnd im Gesicht des Kindes.
Eines von Dreien dachte ich!
Wenigsten eines von drei Kindern hat die Möglichkeit, emotional gesund in seine Welt von morgen zu gehen, da es heute sein Paradies in Liebe und Glück erleben durfte.

DANKE ROLLCE !!


Im Leben mit einem Kind (Kindern) gibt es im Alltag viele Situationen zwischen Himmel und Hölle.
Einmal hatte ich morgens einen wichtigen Termin. Murphys Gesetz war dann wohl dafür zuständig, daß ausgerechnet an diesem Morgen meine Kleine meinte, daß Nutella an meinem neuen Hosenanzug besonders schick aussehen könnte (natürlich waren wir sowieso wie immer schon zu spät dran), okay dachte ich: Gaaaaaaanz langsam bis 10 zählen, nicht aufregen, 1, 2, 3, 4 – bis sieben schaffte ich es, dann blökte ich doch wie ein Schaf los. Ich hätte sie vor lauter Zorn fressen können! ;-)

Zwei Tage später, wir waren gerade am Plätzchen backen, hat meine Kleine den Teig für kleine Wurfgeschosse verwendet, sogar in den Haaren hatte ich ihn hängen, auch Teile der Küche waren damit „liebevoll dekoriert“, aber sie war zum Anbeißen süß, so süß wie ihre teigverschmierten Küsse und dem in mein Ohr geflüstertes „Ich hab Dich lieb Mami“, daß ich sie hätte fressen können! ;-)

Kennt auch ihr Kinder, die grundsätzlich IMMER unter der Woche mühsam geweckt werden müssen und wohl bis in die Puppen schlafen würden, wenn man sie nur lassen würde? Aber die grundsätzlich IMMER am Samstag und Sonntag morgens um halb sieben oder noch früher putzmunter vor Deinem Bett stehen, Dein Wochenende mit einem gebrüllten: AUFSTEHEN MAMMMMMMA, steh endlich auf!!! beginnt? Und Du dann Dein eigenes Kind am liebsten auf den Mond schießen würdest? ;-)

Aber dann stehst Du auf (naja, bleibt Dir ja auch nichts anderes übrig, außer man steht darauf, im 2-Minuten-Takt die Bettdecke weggezogen zu bekommen, als lebendes Trampolin benutzt zu werden oder daß Deine Nase für Versuchszwecke benutzt wird, wie z.B. passt vielleicht in Mamas Nase meine neue Malkreide oder gar mein Winnie Pooh? Btw: Warum heißt dieser Bär eigentlich so? Wollte ich schon immer wissen: Pooh bedeutet doch eigentlich (umgangssprachlich) auf englisch...ihr wißt schon, das böse Wort... Warum wird der Kerl dann Winnie Scheiße genannt? *lach* - Wobei laut diesem Link: http://www.dict.cc/englisch-deutsch/Pooh.html könnte er auch Winnie Muschi heißen *nochmehrlach)
Also, Du stehst auf, quälst Dich an einem Samstagmorgen (lang ists her, als man um diese Zeit erst NACH HAUSE kam!) um halb sieben aus dem Bett, da steht meine Kleine wie gebannt und total fasziniert vorm Fenster und nimmt zum ersten Mal mit großen, runden Kulleraugen in ihrem Leben bewußt den Schnee, der vom Himmel fällt, wahr und Dir wird bewußt, WIE SEHR Du sie liebst, bis zum Mond und noch viel, viel weiter! ;-)

Kinderlachen, glückliche Kinderseelen und strahlende Kinderaugen sollte für uns immer das schönste Geschenk im Leben bleiben. Wenn sie traurig sind, sollte es uns möglich sein, daß wir ihnen Trost und Halt geben und auch wenn sie einmal ihren eigenen Weg gefunden haben, sollten sie wissen, daß wir IMMER für sie da sein werden, wenn sie uns brauchen.

Es tut weh und es macht so hilflos, wenn wir wissen, daß so viele Kinder auf dieser Welt nicht die Möglichkeit haben, körperlich und emotional gesund in ihre Welt von morgen zu gehen, niemals das Paradies in Liebe und Glück erleben dürfen, doch wir können dazu beitragen, wenn auch nur einen geringen Teil, nicht nur dem eigenen Kind/Kindern diese Liebe, dieses Glück zu schenken, sondern auch ein kleines bißchen mithelfen, daß es anderen Kindern in Deutschland und der restlichen weiten Welt jeden Tag ein Stückchen besser geht und das nicht nur vor Weihnachten, dem sogenannten Fest der Liebe (Konsumfest wäre oftmals die passendere Bezeichnung), sondern auch an allen anderen Tagen....

 

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Artikel von Feuerlocke76 am 15.12.2009 13:14 Uhr
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Diskussion

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    kein Foto LesleyRosa, vor 8 Jahren

    Re: Himmel und Hölle

    Ja, das hast Du sehr schön ge- und beschrieben! Es macht mir manchmal Angst, wie z.B. gesunde Kinder "behindert" gemacht werden und zwar von den eigenen Eltern, die keinerlei Interesse an der Förderung ihrer Kinder haben und auch keine Liebe geben können. Näher gehe ich lieber nicht darauf ein, denn das stimmt mich einfach nur traurig! Warm ums Herz wird mir bei den vielen Fällen, wo man Zeuge der Liebe zwischen Eltern und Kindern wird und sieht, wie sie sich gegenseitig bereichern!
     
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