blond-was-solls

Diesen kleinen Einblick...

Artikel von blond-was-solls veröffentlicht am 23.12.2015 21:44 Uhr

in mein blondes Loser-Leben,
hatte ich zwar schon mal vor längerer Zeit hier veröffentlicht, aber im Fernsehen laufen ja auch ständig Wiederholungen.

Bittsteller-Bank-Tag
Oh schön, nette Post von meiner Sparkasse. Und ganz pünktlich zur Weihnachtszeit.
„Sehr geehrter Herr Was-solls,
ich möchte sie am 12.12.2012 um 9:00 Uhr zu einem klärenden Gespräch zu mir ins Büro einladen. Es handelt sich um Ihr überzogenes Konto und wie Sie sich zukünftig als Kunde die Zusammenarbeit mit uns vorstellen. Sollten Sie den genannten Termin nicht wahrnehmen können, vereinbaren Sie bitte umgehend einen anderen Termin mit uns.
Mit freundlichen Grüßen E. Rölke“

Super, denn auch ich hatte dringenden Klärungsbedarf, weil meine Miete und anderes, eigenartigerweise Storno gegangen war.
Tja, und so stand ich am besagten Tag auch schon gute fünf Minuten vor der Öffnungszeit, als erster, nein als einziger vor der Sparkassentür.
„Prima“, dachte ich noch, „keiner vor mir, dann habe ich auch keine Wartezeit, obwohl des festen Termins, denn feste Termine kennt man ja auch beim Arzt und dann wartet man trotzdem.“

Doch um kurz nach Neun wurde ich stutzig. „Wie jetzt, immer noch geschlossen?“ Ich rüttelte an der Tür. Tatsächlich, zu. Und dann bemerkte ich erst das kleine Pappschildchen weit links an der Glasscheibe der Eingangstür:

„Achtung - Geänderte Öffnungszeiten / Jetzt um 9:30“

„Ach“, dachte ich, „aber warum bestellt man mich dann zu um 9:00 Uhr?“ Andererseits klar, mir hätte das kleine Schildchen am Rand der Tür ja auch gleich auffallen können. Also ganz klar meine Schuld. Und außerdem haben Loser bekanntlich auch viel Zeit - und sowieso immer unbändige Lust auf irgendwas, irgendwo zu warten. Also warum nicht auch darauf, dass sich eine Sparkassentür öffnet.
„Sieh’ste funktioniert doch, das mit dem positiven Denken“, lobte ich mich, weil mich ja sonst niemand lobt. Und an dem Vorsatz positiv zu denken, werde ich auch festhalten. Und weil ich jetzt noch etwas Zeit hatte, beschloss ich für ein paar Minuten noch durch das nebenan liegende Einkaufszentrum zu schlendern.

Weihnachtszeit ist Einkaufszeit und es waren schon etliche Leute unterwegs. Viele wuselten mehr oder weniger hektisch bepackt mit Taschen und Tüten durcheinander. Und um dem Getümmel nicht ständig ausweichen zu müssen, schlenderte ich dicht an den dekorierten Schaufenstern der Läden entlang.

Klar, alle Geschäfte waren angestrengt darum bemüht die besinnliche Zeit hervorzuheben. Aber die Weihnachtsdekoration des Schuhgeschäftes vor dem ich gerade stand, fiel mir ganz besonders auf, denn der merkwürdig anzusehende Plastiktannenbaum mit seinen bunten, grellen Lämpchen, samt verstreuten weißen Pulver, der so gar nicht an Schnee erinnern wollte, war äußerst kitschig und aufdringlich. Und während ich mich noch fragte, wie jemand auf so eine Idee kommen kann, mit so einem hässlichen Ding sein Schaufenster besinnlich zu verunstalten, drang vom gegenüberliegenden Ladengeschäft leicht schnarrend und ganz sicher batteriebetrieben „Jingle Bell, Jingle Bell“ an mein Ohr.

Ich schaute auf die Uhr. „Hach, wie die Zeit vergeht, schon fast zehn Minuten rum.“ Gelangweilt betrachtete ich die Schuhe im Schaufenster.
Lächerlich, Hundertneunundneunzig Euro die Winterstiefel, die Spinnen doch. Das nennen die Sonderfesttagsangebot. Aber da ich mir die Stiefel sowieso nicht leisten konnte, und mir auch nicht leisten würde, selbst wenn ich es könnte, ersparte ich mir noch weiter über den besinnlichen Preis nachzudenken und schlenderte einen Laden weiter.

„Die warme Jacke da, aber Zweihundertneunundzwanzig Euro? Ach so, zusammen mit dem farblich abgestimmten Pullover.“ Ich überlegte.
„Also, wenn ich nächsten Monat die Ratenzahlung an das Versandhaus ausfallen lasse und meine Telefonrechnung und die Versicherung nicht zahle und so gut wie nichts esse dann, ach Blödsinn“, unterbrach ich meinen wirtschaftskompetenten Gedankengang, „so wichtig ist neue Kleidung für Loser ja nun wirklich nicht, da gibt es wichtigere Dinge. Zum Beispiel werde ich nachher noch Margarine und vierlagiges Toilettenpapier kaufen.
Und außerdem habe ich mir fest vorgenommen, mir endlich den Badeschaum zum Wohlfühlen, zu gönnen, denn „Wohlfühlen“, steht in eleganter, goldener Schrift auf dem Etikett der himmelblauen Plastikflasche, den die Werbung schon seit einigen Wochen auf etlichen TV-Kanälen den Zuschauern melodiös in die Köpfe singt. „Wohl-füühll-lleeen“.

Uiii wie die Zeit vergeht, schon 9:27, jetzt schnell zurück zur Sparkasse und rann an den Schalter. Aber wie es eben manchmal so ist, vor der Sparkassentür hatten sich in der Zwischenzeit noch weitere Kunden eingefunden. Und beim öffnen der Tür gab sich nicht nur die ältere Dame mit der Gehhilfe richtig Mühe den Kundenschalter als Erste zu erreichen. Und siehe da, sie hatte tatsächlich das Rennen gewonnen. Alle anderen drängelten im Gänsemarsch nach.
Und während ich nicht drängelte und dann als letzter in der Warteschlange stand, ging mir ein Gedanke durch den Kopf: „Vielleicht sollte ich mich einfach energischer durchsetzen. Einfach mal mehr Ellenbogen einsetzen. So wäre ich vielleicht als Erster, Dritter oder Fünfter platziert gewesen. Aber, ach was soll’s“, bremste ich meinen sportlichen Impuls, „ich habe ja Zeit und sowieso einen festen Termin.“ Na sieh‘ste, klappt doch - das mit dem positiven Denken.

Endlich war ich an der Reihe.
„Guten Tag, meine Name ist Was-solls, ich hätte gern Herrn Rölke gesprochen, ich habe einen Term ...“ „Herr Rölke ist leider nicht im Hause“, unterbrach mich die fesche Blondine, in einem noch fescheren Streifenkostüm mit knallgelben Seidenschal. „Oh, und wann könnte ich ihn sprechen?“ „Den Herrn Rölke? Der ist nicht mehr bei uns tätig, aber vielleicht kann ich Ihnen weiterhelfen?“ „Oh das wäre schön.“ Und dachte:(mein Minus auf dem Konto, könnte sie sicher nicht löschen, aber niedliche Grübchen hat sie)

„Um was geht es denn Herr Was-solls? „Um eine Kontoführungsangelegenheit.“ Sie strich sich durch ihr langes blondes Haar. „Da wäre der Herr Sund zuständig, aber der ist zur Zeit im Urlaub.“ Na Toll, dachte ich, sagte aber: „Ja den braucht ja jeder mal.“ Sie lächelte. „Da sagen Sie was Herr Was-solls.“
(„Oh, ihre niedlichen Grübchen“, dachte ich, „du rassige Blondine, ich könnte Dir so viel bieten, zum Beispiel im Discounter in der Warteschlange stehen und Wohlfühlbadeschaum kaufen.“)
„Einen Moment bitte Herr Was-solls“, wurde ich aus meinen Gedanken gerissen, „ich stell’ mal eben kurz durch und frage, wer für Herrn Sund die Vertretung hat.“ Ihre Waffenschein langen Fingernägel tippten routiniert eine Nummer.

Tüüt...tüüt...tüüt ... „Ja, hallooo Gabiii, ich hab hier einen Kunden, der hat irgendwas mit seinem Konto. Nein, gestern war ich nicht mit zum Essen, das wäre mir dann zu spät geworden, du kennst das ja. Ich bin dann nur noch kurz mit Benno und Rosie auf ein Drink. Klar, erzähl ich dir später noch. Du wer macht die Konto-Geschichten, der Herr Sund ist ja nicht …, ach Frau Ränder macht das, dann ist sie wieder aus dem Urlaub zurück, wie schön. Ach, sie spendiert später Kaffee und Kuchen. Fein, bestimmt hat sie viel zu erzählen. Also bis später, tschüßiii Gabi, wir sehen uns. Wie du gehst am Freitag mit zum Bowling?“ (oh man, sie ist ja wirklich niedlich, aber was redet sie bloß so lange? dachte ich)
„Gabi das freut mich, dass Du auch mit kommst. Nein diesmal brauche ich mir keine Schuhe ausleihen, ich habe mir welche gekauft. Gar nicht teuer. Und die Farbe ist toll sag’ ich Dir. Ein richtiger Glücksgriff, Okay Gabi, dann bis später. Tschüßiii“.
Sie legte den Hörer mit spitzen Fingern auf und schaute mich geschäftig an. „Nur einen kleinen Moment noch Herr Was-solls, ich stell noch mal eben kurz durch“. Tüüt...tüüt...tüüt…

„Halli hallo, Frau Ränder. Ach schön, sie sind wieder aus dem Urlaub zurück. Haben sie sich gut erholt? Ach das freut mich. Ja und nun hat der Alltag sie wieder und ausgerechnet heute haben sie auch noch die Kontoklärungen. Ja man kann es sich halt nicht aussuchen, da haben sie Recht. Nein der Kunde ist schon bei mir. Okay, dann bring ich ihn gleich runter. („Wie runter?“, dachte ich, „ich bin doch längst runter, du oberflächliche Püppie.“)
Irgendwie gefiel sie mir nicht mehr, noch nicht mal mehr ihr Lippenstift. Dann stand sie auf, strich sich gekonnt eine blonde Strähne aus dem Gesicht und zog ihren stramm sitzenden Rock etwas glatt.
„Dann kommen Sie mal Herr Was-solls.“ Und tippelte auch gleich mit ihren High Heels voran, während sie sich immer mal lächelnd nach mir umdrehte, um sich zu vergewissern das ich ihr nicht verloren gegangen bin.

„Frau Ränder ist die Dame dort hinten am Schreibtisch“. Ihre knallrot lackierten Fingernägel deuteten in dem Großraumbüro auf eine Schwarzhaarige. Bisher waren gut dreißig Minuten vergangen. Aber egal, ich bin ja Loser und wenn ich was habe, dann Zeit.
Die fesche Blondine verabschiedete sich mit einstudiertem Lächeln und stöckelte von dannen. Und ich, ich steuerte gezielt auf Frau Ränder zu und versuchte schon auf dem Weg zu ihr Blickkontakt mit ihr aufzunehmen. Aber den wollte sie wohl nicht. Geschäftig hantierte sie in Papieren, obwohl mir auffiel, sie hatte mich längst bemerkt.

„Guten Morgen Frau Ränder, mein Name ist Was-solls. Es geht um die Stornierung meiner Miete und das, obwohl ich mein Konto schon vor Tagen ausgeglichen hatte. Da muss sich was überschnitten haben. Mein Konto war ja gedeckt. Und überhaupt, es wäre wohl nur recht, wenn sie mir auch gleich die Stornogebühren zurückerstatten würden, denn auf ihrem Bildschirm sehen sie ja gleich delbst, dass es sich um eine Fehlbuchung handelt."

„Setzen Sie sich erst mal Herr Was-solls. Alles kein Problem, haben Sie ihre Kontokarte, na prima, dann nur eben einen kleinen Moment, das wird sich gleich klären, kein Problem, ich stelle nur mal eben ganz kurz durch. Und wählte auch gleich routiniert eine Telefonnummer. Tüüüt...tüüüt...tüüüt…
„Ha, es wird geklärt“, dachte ich erfreut. „Tja der Ton macht die Musik. Ich muss eben nur energischer sein. Ellenbogen zeigen. Und außerdem gefällt mir ihr Lippenstift.“

„Ja hallo Inaaalein, hier Ränder. Ich bin wieder zurück.. Ja war richtig schön. Klar, erzähle ich später bei Kaffee und Kuchen für alle. Du sag’, sind die Stornos schon raus? Ja schau doch mal, der Herr Sund ist ja noch im Urlaub. Ja eben, man kann es sich ja nicht aussuchen. Das Leben ist eben kein Wunschkonzert.“ Sie schaute mich kurz an. „Nur einen kleinen Moment noch Herr Was-solls, meine Kollegin schaut mal eben.“ Wir lächelten uns kurz an. Ich sie anders, wie sie mich. Dann konzentrierte sie sich wieder auf das Telefonat, während sie mit einem Kugelschreiber kleine Blumen auf eine Werbebroschüre der Sparkasse kritzelte. Zwei, drei Minuten tat sich nichts.

„He Inalein, nein kein Problem, bei Stornoangelegenheiten dauert es ja immer etwas länger.“ Dann hörte das blonde Rasseweib ihrer Inalein nur noch zu und ich bekam währenddessen ein mulmiges Gefühl.
„Okay, danke Inalein, bis später tschüßiii.“ „So ein Pech, Herr Was-solls, die Stornos sind seit etwa zehn Minuten raus, da kann ich gar nichts mehr für sie tun. Nur etwas früher, vielleicht Fünfzehn Minuten, dann hätte es mit der Rückbuchung noch geklappt. Jetzt wird es etwa vier, fünf Tage, vielleicht auch eine Woche dauern.“

Komisch, ich war genervt. Jetzt konnte nur noch Diplomatie meinerseits helfen. Vielleicht kann ich es ja doch noch zurechtbiegen. „Ja, das ist wirklich Pech", sagte ich, "nur um ein paar Minuten verfehlt. Und vielen Dank auch für ihre Bemühungen Frau Ränder. Sie können sich sicher vorstellen, ich bin blond und habe dadurch viele Sorgen und jetzt auch noch die Stornogebühren. Und ganz schlimm, vielleicht eine Woche lang nicht mal mehr auch nur etwas Geld zur Verfügung. Und das zu Weihnachten. Können sie da nicht unbürokratisch helfen? Ich bin doch schon über 30 Jahre Kunde bei der Sparkasse?“ Sie schob ihre Brille hoch auf den Haarschopf und lehnte sich in ihrem Sessel zurück.

„Ich verstehe Herr Was-solls, kann aber nichts für sie tun. Und was die Klärung ihres Kontos angeht, da wird Herr Sund ihnen in den nächsten Tagen, vielleicht in einer Woche oder so, einen neuen Termin geben. Und Herr Was-solls, so als Tipp, achten Sie doch zukünftig einfach darauf, das ihr Konto immer ausreichend gedeckt ist, dann kann so was auch nicht passieren.“
„Oh, Danke für den Tipp. Ich werde ihn beherzigen und mir am besten etwas Geld zaubern.“ Meine Ironie hatte sie wohl verstanden, denn Sie antwortete: „Kein Problem Herr Was-solls, Sie wissen doch, wir sind jederzeit für unsere Kunden da. Und wenn ich mal wieder was für sie tun kann, jederzeit.“ „Danke sehr freundlich, wirklich“, antwortete ich und steuerte von so viel Empathie und Freundlichkeit überwältigt, irritiert auf den Ausgang zu.

Und komisch, als ich die Sparkasse verließ erinnerte ich mich. Wie war das noch? Ach ja, positiv Denken. Und dann bekam ich Kopfschmerzen. Am besten werde ich gleich zum nächsten Supermarkt gehen und mir von meinem letzten Geld den Badeschaum kaufen.
Wie hieß der Badeschaum noch? Ach ja “Wohlfühlen“.

 

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Artikel von blond-was-solls am 23.12.2015 21:44 Uhr
26 Leser, 9 Kommentare

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Diskussion

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    nathalynathaly, vor 1 Jahr

    vor lauter urlaubsschwärmenden

    fingernagel-bank-tusneldas
    wäre mir vorhin fast das essen verkocht.
    :-|

    wenn die mir so was gebracht hätten,
    hätte ich ihnen ziemlich massiv den rost runter machen müssen.
    >:-O
     
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